Ungewollte Kinderlosigkeit
Der Wunsch nach einem eigenen
Kind ist eine zutiefst menschliche Regung. Sie ist getragen von ganz
persönlichen Erfahrungen und emotionalen Befindlichkeiten. Was tun, wenn
es nun einfach nicht klappt?
Die heutige
Fortpflanzungsmedizin propagiert eine immer grösser werdende Anzahl
therapeutischer Massnahmen und Eingriffe, ungewollt kinderlosen Paaren zu
einem Kind zu verhelfen.
Unfruchtbarkeit -
ein weiter Begriff
Die Zahl der ungewollt
kinderlosen Frauen liegt bei 2,2% und ist damit erheblich niedriger als
bisher angenommen (Europäische Studie aus dem Jahr 1999). Die
Wissenschaftler liefern auch eine Erklärung für die bisher zu hohen
Schätzungen: In vergangenen Erhebungen seien auch freiwillig kinderlose
Paare, Frauen ohne Sexualpartner und empfängnisverhütende Frauen
einbezogen worden.
Überdies existiert bei fast
allen Frauen und Männern das Phänomen einer zeitweiligen Unfruchtbarkeit
(auch verminderte Fruchtbarkeit oder Subfertilität bzw. Subfekundität
genannt). Verschiedene Lebensereignisse, wie z.B. persönliche Krisen
und/oder starke Veränderungen, können dabei eine Rolle spielen.
Umgekehrt lässt sich Fruchtbarkeit als vielschichtiger Vorgang begreifen,
in dem körperliche, seelische und soziale Faktoren jeweils
zusammenwirken.
Die Reproduktionsmedizin
verändert das Verständnis von Schwangerschaft. Die einzelnen Schritte
des Schwangerwerdens werden als hoffnungsspendende Etappenziele
dargestellt und erlebt, visualisiert und ständig kontrolliert. Vor allem
mit der Reagenzglas-Befruchtung werden bis anhin verborgene Vorgänge ans
Licht gezerrt. Mit der vorangehenden Hormonbehandlung soll die
Fruchtbarkeit von aussen gesteuert und beeinflusst werden. Die Frau als
Person verschwindet zusehends hinter den medizinisch-technischen
Verfahren.
Eine tatsächliche Erfolgsrate
anzugeben ist äusserst schwierig, ja fast unmöglich. Zum einen muss
zwischen dem Erfolg einer Schwangerschaft und demjenigen einer Geburt
differenziert werden. Offiziell wird bezüglich der Geburten - in
Anlehnung an das Eidgenössische Versicherungsgericht - von einer
Erfolgsquote ausgegangen, die bei zirka 10 Prozent liegt. Zudem sind
fortpflanzungsmedizinische Behandlungen auch eine Kostenfrage. Ein voller
Behandlungszyklus kostet etwa Fr. 6000.–.
Eine fortpflanzungsmedizinische
Behandlung kann für die Frau mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein.
Hierbei sind besonders die Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der
Hormonstimulationen zu nennen. Darüber hinaus stellt sie als
Vollzeit-Therapie, die sich über den ganzen Zyklus erstreckt, eine grosse
physische und psychische Belastung dar.
Die Methoden der
Fortpflanzungsmedizin:
- Hormonelle Stimulation
- Künstliche Besamung
- In-vitro-Fertilisation mit Mikroinsemination
Neben den schulmedizinischen
Methoden zur Behandlung von Unfruchtbarkeit gibt es in der Komplementär-
bzw. der Erfahrungsmedizin verschiedene Therapien, um
Fruchtbarkeitsprobleme zu behandeln. Im Vergleich zu den schweren
hormonellen Belastungen sowie den operativen Eingriffen geht diese Art
medizinischer Hilfe grundsätzlich sanfter vor. Dabei stehen das
körperliche und seelische Gesamtbefinden der ratsuchenden Personen im
Zentrum. Vielleicht kann es aber auch das Richtige sein, sich für eine
passende Psychotherapie zu entschliessen, um so den unerfüllten
Kinderwunsch besser zu verarbeiten. Unterstützend wirkt sich schliesslich
der Kontakt mit anderen Frauen und ihren Partnern in Selbsthilfegruppen
aus. Im Austausch von Erfahrungen zu einem ähnlichen Lebenssachverhalt
liegt manchmal eine Chance, neue Erkenntnisse für den eigenen Standort
gewinnen.
| Andere Wege: |
| - |
Komplementärmedizin,
insbesondere die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und die
Homöopathie |
| - |
Psychologische
Beratung und Begleitung |
| - |
Selbsthilfegruppen |
| - |
Soziale
Elternschaft (Pflegekinder, Adoptivkinder, Tageseltern) |
Weitere Informationen finden Sie
in unserer Gratisbroschüre "ungewollte Kinderlosigkeit - wie gehen
wir damit um?", eine Informationsschrift zu den schulmedizinischen
Sterilitätstherapien und Alternativen. Zu bestellen beim appella
Informations- und Beratungstelefon.