Kinderwunsch

Der Wunsch nach einem eigenen Kind ist eine zutiefst menschliche Regung. Sie ist getragen von ganz persönlichen Erfahrungen und emotionalen Befindlichkeiten. Was tun, wenn es nun einfach nicht klappt?

Die heutige Fortpflanzungsmedizin propagiert eine immer grösser werdende Anzahl therapeutischer Massnahmen und Eingriffe, ungewollt kinderlosen Paaren zu einem Kind zu verhelfen.

Unfruchtbarkeit – ein weiter Begriff
Allgemein erweist es sich als schwierig, Sterilität beziehungsweise Unfruchtbarkeit zu definieren: Heute wird von ein bis zwei Jahren regelmässigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr ausgegangen, ohne dass eine Schwangerschaft eingetreten ist. Die Verbreitung der ungewollten Kinderlosigkeit lässt sich nur eingeschränkt erfassen. Die Wissenschaftler liefern auch eine Erklärung für die bisher zu hohen Schätzungen: In vergangenen Erhebungen seien auch freiwillig kinderlose Paare, Frauen ohne Sexualpartner und empfängnisverhütende Frauen einbezogen worden. 

Überdies existiert bei fast allen Frauen und Männern das Phänomen einer zeitweiligen Unfruchtbarkeit (auch verminderte Fruchtbarkeit oder Subfertilität bzw. Subfekundität genannt). Verschiedene Lebensereignisse, wie z.B. persönliche Krisen und/oder starke Veränderungen, können dabei eine Rolle spielen. Umgekehrt lässt sich Fruchtbarkeit als vielschichtiger Vorgang begreifen, in dem körperliche, seelische und soziale Faktoren jeweils zusammenwirken. 

Und wie steht es mit den Chancen der Fortpflanzungsmedizin?
Darüber geben die Zahlen des Bundesamtes für Statistik Auskunft. 

Die Entbindungserfolgsquote pro Behandlungszyklus hängt vom Alter der behandelten Frau ab:

Alter der behandelten Frau    Lebendgeburtrate (%)
29 Jahre und jünger  23,7%
zwischen 30 und 34 Jahre 21,9%
zwischen 35 und 39 Jahre 17,6%
zwischen 40 und 44 Jahre  8,1%
ab 45 Jahre und älter  3,5%

Quelle: Swissmom 

 

Zu viele Retortenbabys?
Wird viel zu rasch und zu oft künstlich befruchtet - obwohl man den Paaren einfach mehr Zeit lassen müsste? Diesen Vorwurf an die eigene Zunft äußern jetzt Mediziner im britischen Ärzteblatt.
FAZ 02.02.2014, von MARTINA LENZEN-SCHULTE

Allzu rasche Behandlung
Immer öfter, so monieren die Autoren, würden Frauen / Paare mit unerfülltem Kinderwunsch allzu rasch invasiv behandelt, obwohl sie womöglich gute Chancen hätten, schwanger zu werden, wenn man ihnen mehr Zeit gäbe. Vor allem angesichts der drohenden Gesundheitsrisiken für die Retortenkinder – darunter Fehlbildungen, Schwierigkeiten während der Geburt und wohl auch Stoffwechselerkrankungen in späteren Jahren – müsste der Einsatz von Fertilitätsmassnahmen besser als bisher begründet werden. 

Eine fortpflanzungsmedizinische Behandlung kann für die Frau mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein. Hierbei sind besonders die Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Hormonstimulationen zu nennen. Darüber hinaus stellt sie als Vollzeit-Therapie, die sich über den ganzen Zyklus erstreckt, eine grosse physische und psychische Belastung dar.

Die Kosten
In-vitro-Fertilisation (IVF)
Die Kosten betragen zwischen CHF 5'000.-- bis CHF 7'000.--.

Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)
ICSI (Mikroinsemination) erhöht die Zahl von Geburtsfehlern. Die Kosten für eine ICSI-Behandlung liegen pro Behandlungszyklus etwa zwischen CHF 1'000.-- bis CHF 2'000.--.

Kryokonservierung
Wenn überzählige Eizellen für einen weiteren IVF-Zyklus aufgehoben werden sollen, entstehen Kosten in der Höhe von ca. CHF 500.-- bis CHF 1'000.--


Die Methoden der Fortpflanzungsmedizin:

  • Hormonelle Stimulation
  • Künstliche Besamung / Insemination
  • In-vitro-Fertilisation mit Mikroinsemination / ICSI

Mehr Infos zu den Methoden erhalten Sie in unserer Gratisbroschüre:

"Der unerfüllte Kinderwunsch - wie gehen wir damit um?" eine Informationsschrift zu den schulmedizinischen Sterilitätstherapien und Alternativen. 3. aktualisierte Auflage
bis 2 Exemplare gratis

Aktuelles zur Fortpflanzungsmedizin
Keinen grossen Fruchtbarkeitsabfall vor dem vierzigsten Lebensjahr der Frau stellt Anna Steiner, Assistenzprofessorin an der North Carolina School of Medicine aufgrund ihrer Zahlen fest. Und die Studie von David Dunson aus dem Jahr 2004, welche im Journal «Obstetrics & Gynecology» publiziert wurde, kommt zum gleichen Schluss: Die Fruchtbarkeit von Frauen Mitte dreissig und Ende zwanzig unterscheidet sich bloss um 4 Prozent. Die Berechnung, dass ein Drittel der über 35-jährigen Frauen Fruchtbarkeitsprobleme hat, stammt aus den französichen Geburtseinträgen zwischen 1670 und 1830.
Tages Anzeiger 2013

Viermal häufiger als bei der natürlichen Befruchtung kommt es sowohl nach einer Spermieninjektion direkt in die Eizelle (ICSI) als auch bei In-vitro Fertilisation (IVF) zu Totgeburten, wie eine im Fachblatt «Human Reproduction» präsentierte Untersuchung zeigt. Bereits früher wurde beobachtet,dass die Zahl der Totgeburten nach künstlichen Befruchtungen höher war als nach natürlichem Geschlechtsverkehr mit Schwangerschaftsfolge.
Human Reproduction 01.03.2010 / NZZ 04.04.2010

Mikroinsemination erhöht die Zahl von Geburtsfehlern. Eine aktuelle Studie zur In-Vitro-Fertilisation sorgt für Aufregung. Ein australisches Forscherteam verglich in einer Studie über 300 000 Geburten. Bei den natürlich zustande gekommen Schwangerschaften lag die Fehlbildungsrate bei 5,8%. Kinder, die mit IVF entstanden, hatten in 7,2 % der Fälle Geburtsfehler, während es bei den Babys, die mit ICSI gezeugt wurden, 9,9% waren. Die Deutsche Gesellschaft für Reproduktionsmedizin publizierte auf ihrer Homepage umgehend eine Stellungnahme. Zitat: «Bei ICSI gibt es ein aufklärungsbedürftiges höheres Risiko.» (Beobachter 25.05 2012)

 

Kinder sind anfälliger auf psychische Störungen, wenn ihre Mütter vor der Schwangerschaft Hormone eingenommen haben. Für diese dänische Studie haben Forscher die Daten von 600 000 Kindern verglichen. Das Ergebnis: Jungen und Mädchen, deren Mütter eine Hormontherapie gemacht haben und die Befruchtung im Körper der Frau stattgefunden hat, haben ein 20% höheres Risiko, psychische Krankheiten wie Autismus oder Hyperaktivität zu entwickeln.
(Gesundheitstipp September 2013)
 

Kinder aus künstlicher Befruchtung haben veränderte Blutgefässe
Forscher um den Kardiologen Urs Scherrer vom Inselspital Bern und den Fruchtbarkeitsmediziner Marc Germond aus Lausanne haben bei Kinder, die mit In-vitro-Fertilisation (IVF) gezeugt wurden, Gefässveränderungen festgestellt.
Die Resultate waren eindeutig:
Bei IVF- Kindern reagierte die Armarterie um 25% weniger stark auf einen gefässerweiternden Reiz, sie haben steifere Blutgefässe und eine verdickte Innenschicht der Halsschlagader.
Auf dem Jungfraujoch hatten die IVF-Kinder einen um 30% höheren Blutdruck.
Womöglich haben diese Kinder im Alter ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
„Was wir jetzt brauchen, sind Studien, die IVF-Kinder über eine lange Zeit untersuchen“, sagt Scherrer. Zudem müsse der Prozess der IVF-Zeugung noch genauer erforscht werden.

Dazu die Medienmitteilung des Inselspitals in Bern

 

Andere Wege:  

  • Komplementärmedizin, insbesondere die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und die Homöopathie  
  • Psychologische Beratung und Begleitung  
  • Selbsthilfegruppen  
  • Soziale Elternschaft (Pflegekinder, Adoptivkinder, Tageseltern)


Neben den schulmedizinischen Methoden zur Behandlung von Unfruchtbarkeit gibt es in der Komplementär- bzw. der Erfahrungsmedizin verschiedene Therapien, um Fruchtbarkeitsprobleme zu behandeln. Im Vergleich zu den schweren hormonellen Belastungen sowie den operativen Eingriffen geht diese Art medizinischer Hilfe grundsätzlich sanfter vor. Dabei stehen das körperliche und seelische Gesamtbefinden der ratsuchenden Personen im Zentrum. Vielleicht kann es aber auch das Richtige sein, sich für eine passende Psychotherapie zu entschliessen, um so den unerfüllten Kinderwunsch besser zu verarbeiten. Unterstützend wirkt sich schliesslich der Kontakt mit anderen Frauen und ihren Partnern in Selbsthilfegruppen aus. Im Austausch von Erfahrungen zu einem ähnlichen Lebenssachverhalt liegt manchmal eine Chance, neue Erkenntnisse für den eigenen Standort zu gewinnen.

Für alle weiteren Fragen stehen Ihnen die appella Beraterinnen gerne zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihren Anruf oder Ihr E-Mail.