Schwangerschaft

Schwangerschaft ist primär ein Zustand weiblicher Potenz und Stärke. Eine normal verlaufende Schwangerschaft ist keine Krankheit und kann auch von einer Hebamme optimal begleitet und betreut werden.

Es gibt eine Reihe routinemässiger Untersuchungen, die bei jeder Schwangerschaft durchgeführt werden und die unproblematisch sind: Urin- und Blutanalyse (Blutzucker, Eisen, Eiweiss, Blutgruppe), Untersuchung auf Zytomegalie, Lues, Toxoplasmose und Röteln, auf Blutgruppenantikörper bei RH-, Ableitung der Herztöne.

Anders sieht es bei den vorgeburtlichen Untersuchungen - der Pränataldiagnostik - aus.

Heute wird jede schwangere Frau bereits über den Ultraschall mit der Pränataldiagnostik konfrontiert. Er dient dazu, Fehlbildungen und Störungen beim Ungeborenen festzustellen. Auch der harmlos wirkende neue Bluttest kann die Frau vor die schier unlösbare Frage stellen, ob sie besser mit einem Kind mit Behinderung oder mit dem Abbruch einer meist erwünschten Schwangerschaft leben kann.
Es wird immer schwieriger, sich der Tragweite der möglichen Auswirkungen dieser harmlos wirkenden Untersuchungen bewusst zu sein.
Es ist daher ratsam, sich vorher gut zu informieren, ob und welche Untersuchungen in Anspruch genommen werden möchten.
 

Betreuung in der Schwangerschaft – Sie wählen!

Viele Frauen wissen nicht, dass sie von Beginn der Schwangerschaft an die Wahl haben, wem sie sich und ihr ungeborenes Kind anvertrauen wollen. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Modelle, die auch miteinander kombiniert werden können:

1. Ärztliche Schwangerschaftsvorsorge
Ärzte lernen in ihrer Ausbildung vor allem Krankheiten zu diagnostizieren und Symptome zu behandeln. Schwangerschaft ist zwar keine Krankheit, dennoch liegt der Schwerpunkt der ärztlichen Schwangerschaftskontrollen bei der Fahndung nach Abweichungen von der Norm, sei es beim Kind oder bei der Mutter. Das Messbare (= die Diagnostik) steht dabei im Mittelpunkt des Interesses: Für ein Gespräch bleibt meist nur wenig Zeit.
Unser Rat: Geben Sie der Ärztin/dem Arzt ein Feedback, wenn Sie nicht zufrieden sind. Nur so kann sich etwas ändern!

2. Schwangerschaftsbegleitung durch die Hebamme
Anders als in der ärztlichen Ausbildung lernen Hebammen in ihrem vierjährigen Fachhochschulstudium nicht nur, aber auch, wie sie Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett als normale, physiologische (gesunde) Phasen im Leben einer Frau begleiten können.
Mit diesem Wissen unterstützt die Hebamme Sie in der gesamten Schwangerschaft, damit Sie möglichst unbelastet «guter Hoffnung» sein können.
Hebammenbesuche sind Besuche zu Hause bei der schwangeren Frau oder in der Praxis der Hebamme.
Sie umfassen zusätzlich:

  • die Grössenbestimmung der Gebärmutter
  • das Feststellen der Herztöne
  • das Messen des Blutdrucks
  • die Kontrolle des Urins
  • die Blutentnahme
  • ein allfälliger Vaginaluntersuch
  • das Erheben des Gewichtsverlaufs
  • die Lagebestimmung des Kindes durch Abtasten des Bauches

NEU:
Seit dem 1. Januar 2017 können schwangere Frauen entscheiden, ob sie alle Vorsorgeuntersuchungen von einer Hebamme anstelle einer Ärztin oder eines Arztes durchführen lassen wollen. Insgesamt vergütet die obligatorische Krankenkasse neu während einer normalen Schwangerschaft sieben Kontrolluntersuchungen. Dazu kommen zwei durch einen Arzt durchgeführte Ultraschalluntersuchungen.

Die schwangere Frau entscheidet selbst über parallel geführte Arztkonsultationen. Die Hebammen arbeiten mit ÄrztInnen zusammen, welche die Frauen nach Möglichkeit vor der Geburt kennenlernen können.
Einige der am häufigsten auftretenden Komplikationen sind: Vaginalblutungen, vorzeitige Wehen, Lageanomalien und Schwangerschaftsvergiftungen (sogenannte Präeklampsie: Bluthochdruck, Wassereinlagerungen, Eiweissausscheidung im Urin), vorzeitiger Blasensprung, u.a.


Ein Wort zur Geburtsvorbereitung: Entschliesst sich frau für den Besuch eines Geburtsvorbereitungskurses, sollte sie sich über dessen Inhalt und Zielsetzung gründlich informieren. Konzepte, die sich mehr oder weniger auf Atmungs- und Entspannungstechniken beschränken und Geburtsvorbereitung wie ein Unterrichtsfach handhaben, disziplinieren die Frau, statt ihr Raum zu geben für Selbsterfahrung und Selbstentfaltung. Die Gedanken und Gefühle jeder einzelnen Frau sind ein wichtiger und prägender Bestandteil der gemeinsamen Arbeit.

Für alle weiteren Fragen rund um die Schwangerschaft und Geburt stehen Ihnen die Hebammen der appella Beratungsstelle gerne zur Verfügung.